Berufsbild
des Berufsverbandes der AtempädagogInnen Österreichs
Das Wissen um die Bedeutung des Atems für die Gesundheit und ganzheitliche Entfaltung des Menschen ist tausende Jahre alt. In Indien und Japan entwickelten sich Atemschulungen. Noch heute werden in China Atem- und Bewegungslehren als Heilverfahren bzw. als Übungspraxis zur Gesunderhaltung praktiziert.
Das Wissen um die Bedeutung des Atems
In Deutschland entwickelten sich um die Wende zum 20. Jh. und danach mit der Hinwendung zu Körperkultur und Psychotherapie neue Atem- und Bewegungslehren, die das alte tradierte Wissen mit westlichen Erkenntnissen verbanden. Allen diesen Lehren gemeinsam ist der ganzheitliche Ansatz.
Atem ist nicht nur das chemische Luftgemisch sondern auch Seelisches (pneuma) und Geist (spiritus). Die Methoden der Atempädagogik bieten Hilfe, gestörte Funktionen über körpereigene Regulationsmöglichkeiten wieder in Einklang mit einem geordneten Ganzen zu bringen.
Frei fließender Atem
Die Grundlage für die im Berufsverband der AtempädagogInnen vertretenen Mitglieder ist der frei fließende Atem. Jeder Mensch „erwirbt“ im Laufe seines Lebens Körperspannungs- und Atemmuster, die für ihn typisch sind und zu Störungen im gesamten Organismus führen können.
Die Arbeit der AtempädagogInnen dient der Erhaltung und Förderung von körperlicher, seelischer und geistiger Gesundheit des einzelnen Menschen.
Der Mensch soll lernen, seine individuellen Potentiale zu entwickeln. AtempädagogInnen sind dabei anleitend und begleitend tätig.
Methoden der Atemarbeit
Schulung der Empfindungsfähigkeit und der Wahrnehmung
Das Zulassen des Atemflusses und die Wahrnehmung desselben
Tonusregulation mit verschiedenen Interventionen
Arbeit mit Dehnungen und Druckpunkten
Bewegungsübungen
Dehn- und Ruhelagerungen
Übungen mit Stimme, Sprache und Gesang
die kognitive Aufarbeitung der Wahrnehmungsveränderungen auf der subjektiven psycho-physischen Ebene
Schwerpunkt der atempädagogischen Tätigkeit ist der Bereich der
Prophylaxe/Prävention sowie die persönliche Entwicklung.
In das Arbeitsgebiet der AtempädagogIn gehört die Beschäftigung mit den vielschichtigen Atemfehlformen und deren Störungssyndromen. Weitere Schwerpunkte sind die Funktionsfähigkeit des Atem- und Bewegungsapparates. Die Übungen dienen dazu, Atemgeschehen und Muskeltonus im gesamten Körper zu harmonisieren.
Die Entwicklung bzw. Wiederherstellung der haptischen Wahrnehmung macht die KlientInnen wieder sensibel für die eigenen Körpersignale und die Außenwelt.
Die Atemarbeit ist für Menschen jedes Alters, vom Kind bis zum alten Menschen geeignet.
Die qualifizierte Berufsausübung erfordert die Bereitschaft der Atempädagogin zur Auseinandersetzung mit sich selbst und der Reflexion über die eigene Person wie auch über die Arbeit.
Der Beruf der AtempädagogIn erfordert neben normaler psychischer und physischer Belastbarkeit Konfliktbewusstsein, Fähigkeit zur Empathie, Selbstreflexion, soziales Differenzierungsvermögen, emotionales Ausdrucksvermögen, Frustrationstoleranz, Fähigkeit mit Aggression umzugehen, Nähe und Distanz zu regulieren und Bereitschaft zur Bewegungsarbeit, sowie die Befähigung funktionelle Vorgänge im motorischen Bereich zu erleben.
AtempädagogInnen sind zur ständigen Fortbildung verpflichtet
AtempädagogInnen sind zur ständigen Fortbildung verpflichtet, um ihr Wissen auf dem neuesten Stand zu halten und ihre Tätigkeit verantwortlich ausüben zu können.
Die Vielfältigkeit der Ansätze der Atemarbeit lässt verschiedene Schwerpunkte entstehen. Durch die entsprechende Information soll der/die KlientIn vor Behandlungsbeginn über den Schwerpunkt, die voraussichtliche Länge der Arbeit, die finanziellen Bedingungen und/oder ergänzende Behandlungsmethoden aufgeklärt werden.
Die AtempädagogInnen sind verpflichtet, Schweigen gegenüber jedermann darüber zu bewahren, was ihnen in der Ausübung ihres Berufes anvertraut wird.