Nachruf Andreas Radon

„Diese Nachricht lässt uns erschüttert zurück.“

So hat Andreas Radon im November 2011 seinen Nachruf an Maria Höller-Zangenfeind begonnen. Heute vier Jahre später ist es meine traurige Aufgabe, euch mitzuteilen, dass Andreas nicht mehr bei uns ist.

Andreas ist am 30.12., an seinem 71. Geburtstag, gestorben.

Ich hatte Anfang Dezember noch mit ihm Kontakt. Er war an einem Multiplen Myelom, eine Krebserkrankung des Knochenmarks, erkrankt, fühlte sich aber medikamentös gut eingestellt und meinte am 8. Dezember: „Ich arbeite etwas eingeschränkt weiter in meiner Praxis. Bei Nachfrage nach Supervision bin ich durchaus mit Freude bereit, eine solche zu übernehmen.“

Andreas war zutiefst von der Weisheit und Heilkraft des Atems überzeugt. Ich hoffe sehr, dass ihm der Atem in den letzten Wochen und Tagen seines Lebens eine starke und verlässliche Begleitung war und sich schließlich im Loslassen vollendet hat.


Für den Vorstand
Johanna

 

 

 

Nachruf

andreas radon m Andreas Radon ist an seinem 71. Geburtstag am 30.12.2015 in Wien verstorben.

In den letzten nahezu 10 Jahren habe ich ihn als idealistischen und engagierten Menschen kennen gelernt, einen unermüdlich Suchenden im weiten Feld des Atems, der bis zuletzt bereit war, sein Fachwissen und seine Erfahrung mit großem Einsatz zu vertiefen.

Er war Lehrer, Schauspieler und Bildungsberater, seine Ausbildung zum Atempädagogen erhielt er bei Norbert Faller. Im Anschluss absolvierte er neben anderen Fortbildungen umfassende klinische Praktika bei Karoline von Steinaecker in Berlin (Immanuel Krankenhaus, Abt. Naturheilkunde) und schloss die 3-jährige Ausbildung zum Körper- und Atemtherapeutischen Supervisor bei Stefan Bischof in Freiburg im Breisgau ab.

Durch seinen breiten beruflichen Hintergrund arbeitete er mit Erfolg als Lehrbeauftragter an einer Schauspielschule sowie an der "Schule des Sprechens" in Wien. In den letzten Jahren wandte er sich verstärkt der Einzelarbeit zu, weil ihm die persönliche Zuwendung zum Menschen und die Erforschung der Wirkweise des Atems ein tiefes Anliegen waren.

Er war einer der Mit-Initiatoren des Berufsverbandes atem austria und seit der Gründung im Juni 2007 bis zum Mai 2012 Vorstandsmitglied, ursprünglich Schriftführer und ab November 2010 Obmann. In der gemeinsamen langjährigen Vorstandstätigkeit zeigte sich immer wieder, wie sehr ihm die Arbeit mit dem Atem und ihre Verbreitung ein Anliegen waren, wobei es ihm ein Herzensanliegen war, innerhalb des Berufsverbandes der Vielfalt der Möglichkeiten den Atem zu erfahren, Raum zu geben.

Ich hatte auch die Gelegenheit, nach einer gemeinsam besuchten Fortbildung mit ihm ein 1-jähriges Projekt "Atemarbeit mit Kindern" an einer Volksschule in Wien mit einer Gruppe von 22 Kindern durchzuführen, wobei Andreas als Pädagoge und Regisseur der von uns erdachten Atemspiele ganz in seinem Element war. Von seinem Naturell war er aber ein Einzelkämpfer, der wohl auch ohne meine Mitarbeit die Situation bravourös gemeistert hätte.

Ich habe Andreas als passionierten, kreativen und wohl auch widerständigen Menschen erlebt, als Gefährten in der Suche nach der Weite des Atems, und als einen der sich beschränkenden Strukturen, wo auch immer sie ihm begegneten, nicht gebeugt hat. Ich werde ihn als Seelenverwandten vermissen, und er wird fehlen.

Hannah Rausch, akad. Atempädagogin
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